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Samstag, 2. Oktober 2010

Allein gegen die Roboter



Allein gegen die Roboter


Die Szen' ist Pisa, eine Stadt in Mittelitalien, und Bud Spencer, der letzte Mensch auf Erden, presst sich gerade prustend und schnaufend gegen die Rückseite einer Leitplanke, auf deren anderer Seite in diesem Moment wieder einer Aufmärsche der idiotischen Roboterarmee stattfindet. Bud hat sich zur Tarnung einen riesigen Duschvorhang, der wohl einem Robotercape ähneln soll, um den Hals gebunden, auf seinem Kopf sitzt ein winziger Roboterhelm, den er mit Hilfe eines Halteriemens fest um sein dickes Kinn gezurrt hat.
Bud holt noch einmal tief Luft und dreht sich um. Langsam und gleichmäßig, so als säße sie auf einer Hebebühne, schiebt sich seine obere Gesichtshälfte hinter der Leitplanke nach oben. Aufmerksam verfolgen Buds Augen, wie und in welchem Tempo die schrulligen Blechheinis an ihm vorüberstolpern. Dann plötzlich scheint der richtige Moment gekommen, und er schnellt hoch.
"Uuuaah!" stöhnt er vor Anstrengung, rollt seinen massigen Körper mit erstaunlicher Wendigkeit über die Leitplanke und hechtet direkt in den Aufmarsch hinein.
>>Watsch!<<: Schon hat er dem ersten Roboter eins auf die Nuß gegeben.
>>Schepper!<<: Gerade als ihnen klar wird, dass Bud wie eine Dampfwalze auf sie zugerollt kommt, kriegen die beiden nächsten die Köpfe zusammengedonnert,.
Schnell haut Bud dem letzten Roboter in seiner Reihe noch die Rübe runter und verschwindet polternd im Straßengraben.
Inzwischen sind die vier Roboter in der nächsten Reihe auf den Eindringling aufmerksam geworden und haben angefangen, umständlich an ihren Kalaschnikows herumzufummeln.
Weil die Reihe hinter ihnen aber schon zu drängeln anfängt, wissen die vier Roboter jetzt überhaupt nicht mehr, was sie tun sollen. Von den nachrückenden Robotern geschubst und angeschoben, steigen und stolpern sie über ihre stöhnend am Boden liegenden Kameraden hinweg und marschieren schließlich, noch immer ziemlich konfus, wieder weiter. Nach einigen Metern dann sind sie schon wieder mit solchem Einsatz bei der Sache, dass sie völlig vergessen haben, warum sie vorhin eigentlich stehengeblieben sind.
Etwas unterhalb des Roboteraufmarschs keucht und schnaubt Bud währenddessen so leise er kann, und lehnt sich an die mit dürrem Gras bewachsene Straßenböschung. Erschöpft schließt er die Augen. Dann reißt er sie wieder auf und dreht sich panisch nach allen Seiten hin um. Doch es ist niemand zu sehen.
Er atmet durch und zieht behutsam ein zerknittertes Foto aus seiner Hosentasche. Das Bild zeigt die schöne Lorenza. Wieder und wieder starrt Bud wehmütig auf das Bild ein, bis er es schließlich mit tränenfeuchten Augen wieder zurücksteckt.
Kurz darauf sieht man Bud schon wieder, offenbar von Todesangst angetrieben, mit fliegenden Beinen und pfeifendem Atem über einen kurzen Brachflecken sprinten. Als wollte er sich damit beruhigen, keucht und brummt er dabei einige von Rosenstock-Bonos unsinnigen Abzählreimen vor sich hin:

"Sie ist eine Lady wie keine./
Bei uns hütet sie Schweine."

"Des Lebens Schwere verkannt./
An den nächsten Baum gerannt."

Da tritt ihm plötzlich ein Wachroboter in den Weg.
"UiUiUiUi!" macht Bud und legt eine Vollbremsung hin. Er kommt gerade noch vor den ausgestreckten Messern und Bajonetten des Roboters zum Stehen.
"Achtung, Personenkontrolle! Parole?" quäkt der Automat mit aufgerissenem Kiefer.
"Ich zieh dir gleich die Lauscher lang!" brummelt Bud in seinen Bart hinein.
"Parole inkorrekt!" gibt der Roboter zurück. "Bitte wiederholen sie!"
"Dann hau ich Dir eben die Rübe runter!" schlägt Bud jetzt vor.
"Parole inkorrekt!" versucht es der Roboter noch einmal, und schickt sich an, noch ein drittes Mal und wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit so zu fragen, doch Bud hat inzwischen die Geduld verloren, und zieht ihm derart eine über die Löffel, dass der Roboter abhebt, einen seitlichen Salto schlägt und scheppernd im Dreck landet.
Bud gibt sich nicht länger als notwendig mit dem Roboter ab. Sofort beschleunigt er wieder, bis er am Ende des Brachfleckens eine düstere, zwischen zwei mehrstöckigen Wohnblocks liegende Gasse erreicht. Es herrscht das nackte Chaos darin. Ausgebrannte Autos und Mopeds stehen herum, halbverweste Leichen hängen links und rechts aus den Fensterstöcken, der Boden ist mit Müll und Papierfetzen übersät.
Vorsichtig und indem er sich immer wieder nach allen Seiten hin umschaut, begibt sich Bud ins Dunkel der Gasse hinein. Leise hört man, wie er wieder, mit nun vor Angst und Erschöpfung zitternder Stimme, einige Abzählreime des dem Schwachsinn erlegenen Dichters zitiert:

"Wie und wo treffen wir wieder zusamm?/
Mit Sprengstoff, vor unseres Freundes Tram!"

"Null Chance/
gegen meinen Ehrgeiz hatte Abel Gance."

"Im Zweifelsfall/
zum Schaden von Hugo Ball."

"Da sie uns nicht erhört,/
wurde ihr Glück erfolgreich zerstört."

Er durchquert gerade die düsterste Stelle der Gasse, als er hinter einem Müllcontainer plötzlich eine Bewegung ausmacht.
Mit gemessenen Schritten tritt eine Handvoll Gestalten aus dem Zwielicht des Containers heraus. Es ist die Robotergang, mit der Bud heute schon ein paar Mal zu tun gehabt hat.
"Die schon wieder!" brummt er und walkt sich vor Ärger das Gesicht.
"Wen haben wir denn da? Den dicken Bud!" raunt der augenklappentragende Anführer der Gang mit spöttischem Lächeln, und seine drei Kumpels hinter ihm, ein italienischer, ein asiatischer und ein dicker Roboter mit Fahrradkette grinsen siegesgewiss und ein wenig schwachsinnig mit.
Bud erwidert die Blicke seiner Gegner ungerührt. Langsam ziehen sich seine Augenlider zu gefährlichen Schlitzen zusammen. Quietschend verkleinern auch die Roboter ihre Sichtöffnungen. Dann setzt Actionmusik ein, Bud spuckt sich noch schnell unternehmungslustig in die Hände, und schon rennt der Anführer mit seiner Eisenstange auf ihn zu. Mit perfektem Timing geht Bud einen Schritt zur Seite und gibt dem Augenklappentypen, der überrascht sein freies Auge aufreißt und nicht mehr rechtzeitig bremsen kann, noch eine auf den Hinterkopf hinterher.
Als Bud sich wieder umdreht, erwartet ihn schon der spindeldürre, zigarettenqualmende italienische Roboter. Wild gestikulierend fängt der Blechheini an, ihm Angst zu machen.
"Na komm schon, dicker Bud! Ich mach dich fertig! Ich mach dich platt wie ne Pizza!"
Der Italiener ist noch mitten im Gestikulieren und Sprücheklopfen begriffen, da kriegt er von Bud schon einen Dampfhammer auf den Schädel und klappt zusammen wie ein vom Magneten gelassener Schrotthaufen.
Jetzt surrt von rechts der asiatische Roboter heran.
"HAAIIIH!" macht der mit weit aufgerissenem Kiefer und fuchtelt mit seinen Klauen hin und her in der Luft herum. Nach ungefähr zwanzig Sekunden merkt er, dass Bud gar nicht mehr vor ihm steht, und erstarrt. Vorsichtig und mit blödem Gesichtsausdruck rollt er seine Augen nach links und nach rechts.
Bud hat sich inzwischen den Dicken mit der Fahrradkette vorgeknöpft, hält dessen Arm mühelos in der Schlagbewegung auf, entreißt ihm die Fahrradkette, schlingt sie um den Hals des Dicken, wirbelt ihn an der Kette wie ein Hammerwerfer im Kreis herum und mäht damit die anderen Drei, die gerade wieder heranstürmen, endgültig nieder.
Mit einem lauten >>KRÄSCH!!<< landet der Fahrradkettenroboter an der Hauswand und fällt in ein paar verschieden große durch die Gegend fliegende Teilstücke auseinander. Die drei anderen Roboter wälzen sich stöhnend am Boden.
Bud wischt sich die Hände an seinem dreckigen T-Shirt ab.
"Bah! Wird Zeit, dass die Müllabfuhr mal wieder zu streiken aufhört. Überall liegt hier der Abfall rum." meint er abschätzig und schiebt die Überreste der Roboter mit den Füßen aus dem Weg.
Als er das Ende der Gasse erreicht, klettert Bud hinter eine Mülltonne und klaubt Lorenzas Foto von Neuem aus seiner Hosentasche. Zärtlich betrachtet er es im Zwielicht von allen Seiten. Mit einem Stoßseufzer fasst er sich an den Schritt und fängt in süßer Erinnerung an, Michael Jacksons Moonwalk zu imitieren. Dann glaubt er plötzlich etwas gehört zu haben, duckt sich erschrocken, steckt das Foto wieder ein und rennt weiter.
Auch den Rest des Tages benötigt Bud noch für die Durchquerung der Stadt. Immer wieder zwingen ihn während dieser Zeit die unerwartet an allen möglichen Plätzen mit ihren Aufmärschen auftauchenden Robotertruppen, sich in Mülltonnen, in Straßengräben und hinter dahinwesenden Leichenbergen zu verstecken. Dazwischen begegnet er noch einige Male seinen speziellen Freunden von der Robotergang.
Irgendwann entdeckt er in einer verlassenen Trattoria auf einem Tisch noch eine unangetastete Portion verstaubter Spaghetti. Wie ein Tier stürzt Bud, der früher an guten Tagen schon mal fünfzehn Portionen Spaghetti am Tag verdrücken konnte, sich auf die Pasta und stopft sie gierig in sich hinein.
Endlich, bei Sonnenuntergang, hat er Lorenzas frühere Wohnstatt, ein niedliches Häuschen in der Vorstadt erreicht. Vor Erschöpfung kaum mehr zu sprechen fähig, blitzen ihm jetzt die albernen Verse Rosenstock-Bonos wie ein Leuchtfeuer durch den Kopf:

"Er fragte: Magst du mich noch?/
Ihre Gedanken waren nur noch ein Schwarzes Loch."


"Keiner liebt mich./
flüsterte er auf dem Zebrastrich./
Ein anderer schrie von fern,/
niemand habe ihn gern."

"Welch unendlicher Akt mit dem Früher zu brechen!
(Hinter sich hört er noch seine Oma sprechen.)"

"Auch Ursels Schweinekoben/
versperrte den Oligarchen/
den Ausblick von oben."

"Merkwürdig still geworden/
waren die Menschenhorden..."

Bud betätigt gerade die Türklingel des Häuschens, als er hinter sich das Zuschlagen einer Autotür hört. Er dreht sich um. In der gekiesten Auffahrt steht allein der Roboter mit der Augenklappe. Er bewegt sich einige Schritte auf Bud zu. Der Kopf hängt dem Automaten halb über die Schultern, als Ersatz für sein linkes Bein hat er sich ein zu kurzes Tischbein an den Rest seines Oberschenkels gebunden, der linke Arm, den er vorhin bei der Schlägerei hat lassen müssen, fehlt ihm völlig. Mit seinem übrigen rechten Arm hält er die Fahrradkette hoch und versucht Bud damit Angst zu machen. Dann aber geht ihm endgültig der Saft aus und er fliegt scheppernd ein letztes Mal in den Kies.
Bud schüttelt einsichtig den Kopf, so als hätte er schon immer gewusst, dass es einmal ein schlechtes Ende mit dem Typ nehmen würde. Er wendet sich wieder ab davon und drückt gegen die offenstehende und halb aus den Angeln gerissene Haustür.
Vorsichtig betritt er das Erdgeschoß, das den Eindruck erweckt, als wären wenigstens ein paar Handgranaten darin explodiert. Möbel und Unrat liegen wild durcheinander. Von Lorenza aber findet er keine Spur.
Er steigt die Treppe in den ersten Stock hoch. Auf den ersten Blick herrscht hier oben dasselbe Chaos wie im Erdgeschoß.
Dann entdeckt er, in einer Ecke sitzend, und an verschiedene Kabel und Versorgungsleitungen angeschlossen, einen leicht vermodert riechenden menschlichen Körper. An der wuchtigen Korallenkette, die um den Hals des Körpers hängt, erkennt er Lorenza. Die Kette trägt einen überdimensionalen Anhänger, auf dem in großen Strassbuchstaben steht: "LORENZA UND BUD".
Bud nähert sich dem Körper mit zögernden Schritten. Deutlich sichtbar zieht sich durch Lorenzas Stirn ein glatter, waagrechter Schnitt. Behutsam nimmt er ihr die Schädeldecke ab. In dem Schädelinneren kommen piepsend einige Roboterbabies zum Vorschein. Offenbar ernähren die Säuglinge sich von Lorenzas Gehirn. Als Bud die Babies erblickt, scheint in seinem Kopf ein Schalter sich umzulegen, und er verliert jegliche Selbstkontrolle. Wimmernd und stöhnend vor Ekel und Bestürzung rupft er sie aus Lorenzas Kopf heraus, schleudert sie auf den Boden und fängt an, auf ihnen herumzutrampeln.
Da zerfetzt ein gewaltiges Donnern die Luft. Links von Bud stürzt eine Wand ein, und in dem Raum dahinter, Lorenzas ehemaligem Schlafzimmer, stürmt surrend die Robotermama heran. Anscheinend hat sie die für Buds Ohren nicht wahrnehmbaren Schreie ihrer Kinder gehört und will ihnen zu Hilfe kommen. Wild entschlossen kickt sie die Mauertrümmer wie lumpiges Styropor zur Seite. Buds Versuch, dem Monstrum, das vier Köpfe größer ist als er, schnell eins über die Rübe zu geben, scheitert kläglich. Er kommt nicht mal richtig dazu auszuholen, da hat ihm die Robotermama mit ihren beiden vierzehnfingrigen Händen das Genick bereits in zwei Hälften zerteilt.
Sorgsam legt sie Buds massigen Körper, der für sie eine luxuriöse Brutstätte darstellt, neben den von Lorenza und kontrolliert, ob es den Babies in Lorenzas Bauchhöhle noch gut geht. Dann injiziert sie neue Keimzellen in die Gehirne der beiden Körper und die zu ihrem Entzücken ausgesprochen geräumige Bauchhöhle Buds.


Dienstag, 12. Januar 2010

Reste aus Bonos Schreibwerkstatt - Zweiter Teil


    
     Zweiter Teil der Nachlese aus "Das Ende der Menschheit - Ein Märchenbuch". Rosenstock nannte sich damals noch Kai-Wilhelm von Rosenstock-Bono, daher das Obskurum "Bono" im Titel.


Reste aus Bonos Schreibwerkstatt – Zweiter Teil 


 Ein Geschwisterpaar, Kinder schwerreicher Eltern, und das Verhängnis durch einen glücklichen Gendefekt überlebend, kämpft sich von seinem verwüsteten Wildlife-Hotel aus durch den mexikanischen Dschungel. Einige Stunden später erreichen sie völlig verschmutzt ein Dorf an der Küste, wo die einzigen vier Überlebenden sterbend die siebenhundert Opfer des Dorfes betrauern. Das einzige, was die beiden Geschwister in diesem Moment wahrnehmen, ist der schöne Strand mit dem paradiesisch und unverschmutzt blauschimmernden Wasser. Ihre Kleider von sich werfend, sich nach Reinigung sehnend, stürzen sie sich hinein. Als die Dorfbewohner auf die beiden Fremden aufmerksam werden, werden die Geschwister schon von den Haien gefressen.


Otto steht beim Pinkeln und hält Zwiesprache mit der Dame, die hinter ihm an der Wand klebt, Miss September '99, als er aus der Ferne plötzlich ausgelassene Partymusik vernimmt. Irgend jemand scheint dazu einen Witz zu erzählen, ungefähr zwanzig Millionen Menschen lachen fröhlich auf, Böller knallen, die Musik spielt mit bummernden Bässen weiter, dann ist auf einmal alles wieder still. Auf einmal wird Otto bewußt, daß etwas nicht stimmt. Er stürzt aus dem Klo, vergißt in seiner Panik sogar, sich den Reißverschluß zuzumachen, was er sonst nie tut, und stürmt auf die Straße hinaus. Es ist völlig still. Ein leiser Wind pfeift um die Hausecken, einige kleine Wolken ziehen über den Himmel. Das ist die Stille des Todes, die Stille unwiederbringlich verlorener Lebendigkeit. In dem Moment erlangt Otto absolute Gewißheit. Irgend jemand, weiß der Kuckuck, welcher Idiot nun, hat die fürchterliche Ramba Zamba-Bombe gezündet. Damit ist die Menschheit verschwunden, hat sich auf ewig verdünnisiert. Als legte ein Schalter in seinem Gehirn sich um, wird Otto von dem unbändigen Wunsch erfaßt, sich auszuklinken und verrückt zu werden. 


The Art of Validation

Patientin Z., vierundachtzig, ehemalige Kreisbäuerin und zunehmend desorientiert, erregt, leicht agitiert, eilt durch den Wohnsaal.
"Meine Kühe, meine Kühe, ich muß meine Kühe melken, und die Millie, die Millie, die kalbt!"
"Aber Frau Z., das ist doch gar nicht mehr notwendig, daß sie die Kühe melken!"
"Was? Du Narr! Du hast doch keine Ahnung! Die Millie verreckt mir noch, die hat Koliken schon seit zwei Stunden!"
"Aber Frau Z.! Über ihrem Hof ist doch eine Neutronenbombe explodiert! Die hat alle ihre Viecher weggesprengt!"
"Ehrlich?"
"Ja, das können sie mir schon glauben, auf ihrem Hof gibt's überhaupt keine Kühe mehr, vom Hof ganz abgesehen! Alles ratzeputz weg! Da muß keiner mehr die Kühe melken!"
"Na, wenn das so ist."
Pat. beruhigt ab, beginnt, sich dem Salzstreuer und ihrem Abendessen zu widmen.


Meister Eder und sein Fusionsreaktor


Durch einen beinahe unmöglichen Zufall hat ein Segler als einziges Lebewesen die Thanatos-Bombe überlebt. Er gleitet in seiner Yacht über den Ozean, fünf Kilometer unbelebten Salzwassers unter sich, wie ein letzter, verschwindender Keim auf einer alles abtötenden Petrischale. Unendlich breiten sich die gleißend blauen Flächen des Meeres und des Himmels um ihn herum. Die ungemeine Größe der Erde, allein die Gewalt ihrer daseienden Masse wird ihm bewußt.


·    Ein Film, in dem die tödlichste aller Waffen eine Gießkanne.
·    permanente Düsternis, kaum was zu sehen.
·    massiver Lärm und Action
·    coole Ledermäntel für alle Darsteller, aber nicht SS, sondern nacxh Matrix-Art amerikanisiert.
·        "Nimm die Gießkanne!"
"Was?"
"Die Gießkanne, die Gießkanne!"
…        
"Achtung, er hat die Gießkanne!"


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Bei irgendeinem Mystiker, oder war's doch im Dr. Faustus, die Notiz, der Tod sei ein Löwe, der unbemerkt und lauernd zwischen der wie erstarrt dastehenden Menschheit umher spaziert.
Auch wenn er sich ein wenig zurückgezogen hat, ist er im Grunde präsent wie nur je, und wird dies auch bleiben, egal, wie und wohin der Mensch sich entwickelt. Am Universum wird er sich überheben. Es lässt sich nicht aus den Angeln heben.
                                               

Refrain eines heiteren mittelalterlichen Lieds:
Kuckuck, Kuckuck, nimm alles nicht so ernst, es kostet dich höchstens die Welt.


Der letzte Mensch auf Erden ein Parkinsonkranker, gebückt, auf einen Stock gestützt, vollkommen gesperrt, beinah erstarrt, sich kaum mehr bewegend, nur gelegentlich noch ein klein wenig aufzitternd.


Dürers vierter Apokalyptischer Reiter, Gevatter Tod. Er ist der Gagman der Truppe. Er hilft nur aus, weil der Reiter, der ursprünglich für die Aktion vorgesehen, als es so weit war, unpäßlich war. Doch um so besser! Es bereitet ihm unheimlichen Spaß, unter den Menschen aufzuräumen, und mit irrem Blick hängt der Mann sich in seine Aufgabe.

Montag, 11. Januar 2010

Reste aus Bonos Schreibwerkstatt - Erster Teil

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Eine kleine Nachlese aus dem Projekt "Das Ende der Menschheit - Ein Märchenbuch". Recht nobel nannte der Autor sich damals noch Kai-Wilhelm von Rosenstock-Bono, daher das Obskurum "Bono" im Titel 


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Reste aus Bonos Schreibwerkstatt - Erster Teil


Ein Kriminalfall:
Es herrscht Panik auf dem Planeten. Ein Land um das andere wird in die Luft gesprengt, und niemand weiß, wie und aus welchem Grund. Die internationale Sonderkommission, gebildet, um Lösungswege zu erarbeiten, findet kein passendes Schema, wie der Fall anzugehen wäre, und die Länder werden langsam knapp.
Am Ende, als allein die Sonderkommission und einige verstreute Gruppen, allesamt auf dem Meer, noch verblieben sind, zeigt sich der Täter. Es ist Marvin, der paranoide Androide. Er hasse die Menschheit, erklärt er. Die Anwesenden sollten das aber nicht persönlich nehmen. Er verachte nämlich überhaupt alle Bewohner des Universums.
Marvin schwebt hoch über der Menschheit in einem fantastischen Raumschiff. Die Menschen schütteln die Fäuste gen Himmel. "Was hast du uns angetan!" rufen sie aus voller Kehle. Doch Marvin läßt sich auf keine Diskussion ein. Das sei nun geschehen und vorbei. Davon abgesehen hätte die Menschheit sich selbst ohnehin nicht mehr aus dem Dreck ziehen können. Sie wären aneinander, an ihrer stetig übereinander wachsenden Einflußnahme erstickt. Mit einem traurigen Lied in seiner blechernen Kehle macht er sich wieder davon. Da hält er ein letztes Mal an. Die Erde sei ja noch da, meint er. Sie warte ja nur darauf, von den Menschen wieder besiedelt zu werden. Es stünden dem verbliebenen Rest der Menschheit alle Wege offen, das zu tun. Zuversichtlich sei er zwar nicht, daß diesmal irgendwas besser laufe, aber er langweile sich ohnehin und werde vielleicht kurz bei "Wetten daß, nicht", der tödlichsten Show des Universums vorbeischauen, um seiner Stimmung endgültig den Rest zu geben.
Doch die Menschen hören schon nicht mehr zu. Voll Hoffnung haben sie einander zugewandt und fallen sich in die Arme.


Nach dem Ende der Welt:
Betrachtungen vor dem Himmelstor: Diskussionen eines verzweifelten Mannes mit Petrus, weil Muskelpakete an der Pforte abgegeben werden müssen. Er habe erst vor einigen Monaten angefangen, seine Muskeln zu definieren und richtig herauszuarbeiten, und gerade jetzt, wo sich die ersten Ergebnisse gezeigt hätten..


 Der graue Tod:
·        Ein Kind geht durch die Straßen. Nach Art des Roten Todes.
·        Eine Geheimgesellschaft. Sie existierte schon lange, erregte bei der Gründung vielleicht Aufsehen, lebt jetzt aber schon lange im Untergrund.
Man berät sich. Die Gefahr, entdeckt zu werden, wird immer größer. Man muß handeln, am besten gleich, die Gelegenheit sei günstig.
Man schickt das Kind. Überall, wo das Kind hinkommt, senkt sich ein grauer Nebel über das Land. Die Menschen sterben, rasch, leise, in einem letzten Moment des Erkennens, mit einem Ächzen nur. Unvorstellbar, daß Gegenden, die man in allen Wetterlagen kennt, auf ewig im Nebel stecken bleiben sollen. Man vergisst, was Gegenwart ist, was Vergangenheit, was Futuris.
Was bedeutet der graue Tod? Lethargie, Entpersönlichung, vielleicht tatsächlichen Tod.
                                                                                            

Schmitt und Prosts größte Konstruktion
  
·        Ein Unversitätsphysiker. Tagelang sperrt er sich in seiner Wohnung ein, um den Entwurf für seine "Maschine" fertig zu bringen. In einer Pause macht er sich Notizen, was als nächstes zu tun sei:
·        Brief an x: Das Vollendete, das Erhabene, das Neutrale, das Objektive, dadurch das Übermenschlich-Göttliche der MASCHINE, etc.
·        Größere Wohnung (Stadtrand!) wg. der Apparate.
·        Uran, Germanium besorgen (Prof. Schindelwurst in Tübingen)
·        Das Tuscheln der Kollegen: "Schmitt und Prost ist da anscheinend an was dran!"
·        Schmitt und Prost: Er ist ein Star, Nobelpreis schon mit 39, hochbezahlte Forschungsgruppen, ausverkaufte Vorlesungen, Kongresse auf der ganzen Welt, ein interessantes Molekül nach ihm benannt, auch ein geplantes Element, das aber nie zustande kam.
·        Wenn er sich aus der Öffentlichkeit verabschiedet, bekommt sein Blick neuerdings etwas Grimmiges, er läßt seine rothaarige Stellvertreterin in der Forschungsgruppe links liegen. Jeder weiß, dies sind Zeichen. Schmitt und Prost ist wieder an "etwas" dran.
                                                                                                                       

Der letzte Mensch, in Flugzeuglautstärke Janis Joplin hörend, zwölf Stunden jeden Tag.


Eine tödliche Krankheit haben wollen.


Das Ende der Welt: Alles wird still, dunkel. Engel nehmen sich wispernd der Auserwählten an, bringen sie hoch zu dem über allem schwebenden, eng umrissenen Licht. Gelegentlich hört man das aufzitternde Stöhnen derer, die fortgerissen werden. In der Ferne das leise Jammern und Morden der Teufel und der Verdammten.


  Auf der vereinsamten Welt ein verdrecktes Terrarium. Im Wasser liegend, in der Enge praktisch bewegungsunfähig, ein eingerollter, massiver Wels. Auf dem winzigen Landflecken darüber, mit dem gelegentlich pendelnden Kopf nach vorne über das Wasser ragend, den Fisch bisweilen dabei berührend, eine Schildkröte. Ihre Blicke sind aufeinander gerichtet. Die mit jedem Tag bemoosteren Wände des Glaskastens reichen bis hoch über die Schildkröte hinweg, unerreichbar und um vieles höher als Länge oder Breite der Bodenplatte.
            

Die jugendlichen Götter, unterwegs auf einer Spritztour durch die noch junge Welt. Noch allesamt Kindsköpfe, treiben sie, da ungebremst, so viel Unsinn, wie sie nur können. Die hierarchischen Verhältnisse sind noch nicht völlig geklärt, kleinere Rangkämpfe zwischen Zeus, Hera, Hades, Poseidon. Erste Kinder, Resultate diverser Affären, werden mitgezogen, niemand will sich um sie kümmern. Egal, wo sie niedergehen, ständige Flirts mit Nymphen, Flußgöttern und der lokalen Bevölkerung. Athene die Vernünftigste, obwohl die Jüngste. Aphrodite, noch nicht lange den Fluten entstiegen, stiehlt den anderen Göttinnen von Beginn an die Schau. Ende am Lagerfeuer. Zeus: "Lang geht das nicht mehr so, Leute. Die Welt wird komplizierter (neue Erfindungen, die Menschen werden unabhängiger, die Menschheit differenziert sich, etc.)."
Vor einiger Zeit stieß ein neuer Gefährte hinzu. Er ist weit geringer als die Göttlichen, hat weder ihre Größe noch ihre Persönlichkeit und Originalität. Ersatzweise umgibt er sich zunehmend mit Apparaten und Geräten, ist irgendwann kaum mehr dahinter auszumachen. Seine Bestimmung ist, den Göttern den Untergang zu bereiten.
Die Moira will sich trotz aller Gewaltandrohungen von Zeus' Seite nicht dazu äußern. Sie ist am Ende doch über ihm, über alle Götter erhaben.