Weitere Lektüre der Erinnerungen des erfolgreichen Schlagerkomponisten Jean Spiegel:
"Heulen und Schluchzen, Heulen und Schluchzen, von mir aus auch Jaulen, das ist das einzige, worauf es ankommt!"
Diesen Verdacht hatte ich schon immer. Spiegel weist aber noch auf andere unentbehrliche Vorausbedingungen hin, eine halbwegs zur Höhe fähige Stimme und eine SEHR gute Mischmaschine. Dies gilt für die Damen der Schöpfung. Männer haben es laut Spiegel einfacher, sie müssen nur murmeln oder schlecht rappen können. Schlafzimmerqualitäten seien bei beiden Geschlechtern von Vorteil.
Projekt um 2000 herum, bestehend aus den Tagebüchern der drei miteinander verwandten Schmidt-Boelkes. Zahlreiche Notizen aus jener Zeit kamen für das Projekt zupass, waren untereinander meistens aber ohne Zusammenhang.
Die Protagonisten:
1.Erich Wolfgang Schmidt-Boelke, ein älterer Herr, der seine jungen Jahre als Sekretär des Klassikers Schniepnagel zugebracht hat. Sein Erfolg als Autor hat seit vielen Jahren Bestand, und er schreibt in der etwas selbstgerechten, gelegentlich un- oder überreflektierten Art eines Mannes, der sich seiner Leserschaft sicher ist.
2.Dessen weit jüngerer Bruder Timo Schmidt-Boelke. Timo arbeitet als Lehrer und hat als Autor so gut wie keinen Erfolg. Er liebt seinen Brotberuf nicht, Hass, Bitterkeit und Sarkasmus sind ihm keinesfalls fremd, doch er besitzt Beobachtungsgabe.
3.Schorschi, ein Schwesterkind der beiden, zwanzig Jahre alt, ein wenig kindisch noch, naiv, von den Härten des Lebens größtenteils verschont bisher, ohne rechtes Ziel, fest entschlossen jedoch, es seinen schriftstellernden Onkels nachzutun.
Nach 30 Jahren PC und unzähligen verschissenen, vertanen und verdaddelten Stunden die Herausbildung einer neuen ontologischen Kategorie: Die Weggeschmissenheit des Daseins.
Eine Gruppe Urmenschen wird tagtäglich vereinnahmt von dem gnadenlosen Kampf um ihr Überleben. Mal fangen sie einen alten Säbelzehntiger, mal erfrieren sie halb vor Kälte, mal bringt die Sonne sie an den Rand des Verdurstens, mal sterben sie beinah vor Hunger, ohne dass sie Gründe für die vorangegangene Hungerszeit finden könnten.
In der Nacht, wenn sie niedergeschlagen ihrer verängstigten Träume harren, hören sie beinah jeden Tag das seltsame Geräusch plätschernden Wassers, nicht vielen Wassers, aber immerhin das einer ganzen Anzahl von Tropfen, die vereinzelt oder in Gruppen, auf eine merkwürdig klingende Unterlage treffen.
Nacht für Nacht hält die Angst sie wieder zurück, dem unheimlichen Geräusch nachzugehen, doch jede Nacht wagen sie sich weiter zum Ausgang ihrer Höhle und schließlich darüber hinaus. Was kann es nur sein? Ein Gott, ein Ufo, ein wildes Tier? Wieder und wieder kommen die Nächte, und irgendwann lässt ihnen die Neugier keine Ruhe mehr. Als das Plätschern einsetzt, strömen sie mutig aus und finden die Ursache hinter einem kleinen Gebüsch ganz in der Nähe. Von irgendwoher beleuchtet, steht ein Mann deutlich sichtbar in einer Lichtung unter der Dusche. Er mag vierzig sein, ist weißer Hautfarbe, hat einen deutlichen Bauch und ist riesengroß. Sein Blick geht ins Leere und sein Gesichtsausdruck wird den Urmenschen unvergesslich bleiben. Es ist ihm alles gleich. Genausogut könnte er auch sterben.
Kriege werden kömmen, Krankheiten, Katastrophen, doch den Gesichtsausdruck dieses Mannes werden die Urmenschen nie wieder vergessen.