Dienstag, 6. September 2011

Atlantis, das Unterwasserreich



Atlantis, das Unterwasserreich, ursprünglich von Rückenkranken der Antike gegründet.


Studenti II


Studenti II


In einem Lokal nahe der Tübinger Uni.
Ein warmer Sommerabend, die Kneipe ist voll, an den Tischen ein begeistertes Hin- und Herwogen begeisterter Diskussionen.
Draußen auf dem geräumigen Gehsteig stehen auch ein paar Tische. Die Luft wäre warm genug, um sich auch hier draußen unterhalten zu können. Kennzeichnenderweise bleiben die meisten Plätze hier aber frei. Lieber stürzt man sich in die verrauchte Schwüle und Enge der Gaststube, wo die wirklich wichtigen Dinge besprochen werden, wo man die wirklich wichtigen Leute trifft, und wo jeder, der etwas auf sich hält, hingehört. Lieber hält man sich sogar noch in dem engen Windfang auf, um wenigstens ein paar Brocken aus der Gaststube mitzukriegen.
Was den Aufenthalt auf dem Gehsteig zusätzlich noch herabsetzt, ist der permanent daran vorbeiströmende Auto- und Fußgängerverkehr: Gut gekleidete Ausgänger, die in den Autos ihre Köpfe nach links und nach rechts drehen und nach Parkplätzen suchen, neugierige Pärchen, Flaneuere und Junggebliebene, deren gewagte Outfits einem so manches Mal die Gemütsruhe stehlen könnten.

·  Im Schankraum: Junge Privatdozenten glänzen im Lichte ihrer Rhetorik.
·     Anglisten, Germanisten und Romanisten ringen um das attraktivere Deutsch.
·     Ältere Semester, ergrauende Assistenten und Professoren, müssen sich schon mehr reinhängen, profitieren allerdings von ihrer Ausgebufftheit und ihrer größeren Autorität.
·   Die Begeisterung der Jungen und Jüngsten. Ihr Glaube, an etwas wirklich Wichtigem teilzuhaben. Alle ziehen an einem Strang. Ihre Zukunft wird großartig.
·    Das Flair generell. Hier tranken schon Hegel und Hölderlin, hier genoß auch Jaspers bei so manchem ausgiebigem Mahl Salami und sauren Most, hier tanzten Anders und Hannah Arendt den Schimmy. Auch prominente Wirtschaftsbosse frequentierten die Stube in ihrer Studienzeit.
·        Die Betrachtung distanziert. Es ist ihr letzter Tag auf Erden. Morgen wird die Menschheit gewesen sein.
·        Indessen wird das Sonnensystem weiter sich drehn.



Montag, 5. September 2011

Ihm fehlten die Worte an diesem Tag



Ihm fehlten die Worte an diesem Tag.


Als Künstler ernst genommen werden wollen



Als Künstler ernst genommen werden wollen. Ohne diese Aussage groß zu überdenken, sein Leben lang absoluten Anspruch darauf erheben.


Geworfen sein in die Einsamkeit der Welt, selbstbewusst



Skizze "Geworfen sein in die Einsamkeit der Welt, selbstbewusst".
Eine karge Steppe in dunklem, rötlichen Licht. In der Ferne ein niedriges, erodiertes Gebirge, bis dahin die Fläche von gleichförmigem Bewuchs. Darauf, wie ein Insekt durch die Landschaft wandelnd, ein stierähnliches Geschöpf, muskulös, beeindruckend gewachsen, bedeutend größer als ein Mensch etwa, auf zwei Beinen gehend, seine Hüften sind schmal, sein Brustkorb gewaltig, seine beiden Hörner sind massig, ausladend, zusammen genommen weit größer und schwerer als es selbst.
Das Wesen bewegt sich über die Landschaft wie ein winziges Stück Inventar, in einer Weise, als wäre es vollkommen eins mit ihr. Ihm sind nur zwei Zustände bekannt, Schlaf oder Wachen. Im Wachzustand ist es reine Aufmerksamkeit, seine Muskeln in einem permanenten Spannungszustand. Es nimmt seine Umgebung in diesen Momenten mit der äußerst-möglichen Intensität wahr, handelt grundsätzlich instinktiv und ohne Verzögerung. Es besitzt in diesem Punkt (der Handlungsfreiheit) keine Wahl, reflektiert eine solche auch nicht.
Der Ablauf seiner Tage stets gleichmäßig. Weder Glück, Trauer noch Wehmut sind ihm bekannt. Ist es verletzt, so spürt es diese Veränderung schon, nimmt den Schmerz aber als etwas Gegebenes und dem Dasein Zugehöriges hin. Er ist einfach da, vergeht wieder oder auch nicht. Dasselbe gilt für die durchaus selbst-wahrgenommene Existenz des Wesens. Es kennt keinerlei emotionale Spitzen.